31 Oktober 2017

10 Gründe gegen einen eigenen Online-Shop

von Frank Romeike

Worüber Sie nachdenken sollten bevor Sie sich an einen eigenen Online-Shop wagen

10 Gründe gegen einen eigenen Online-Shop

Sicher, wir bieten die Programmierung von Online-Shops, das Marketing und die dazugehörige Suchmaschinenoptimierung an.

Man könnte diesen Artikel also gut und gerne als geschäftsschädigend für den Verfasser bezeichnen.
Allerdings haben wir wenig Freude daran unsere Kunden mit ihrem Projekt scheitern zu sehen.
Oft kommen Neukunden, mit wenig oder keiner kaufmännischen Erfahrung, auf uns zu, mit der Idee durch einen eigenen Online-Shop schnell und viel Geld zu verdienen. Dies ist leider sehr oft aber eben nicht möglich - darum also:

"10 Gründe gegen einen eigenen Online-Shop"

  1. Hohe anfängliche Investition und technischer und administrativer Aufwand

    Die verfügbaren Systeme sind mit der Zeit immer leistungsfähiger und nutzerfreundlicher geworden.
    Allerdings sind mit der technischen Entwicklung unter anderem auch die Ansprüche potentieller Käufer an das Kauferlebnis im Onlineshop gewachsen. Der Shop soll sowohl technischen Anforderungen genügen - alle verfügbaren Bezahlmethoden bieten - auf allen Geräten gut nutzbar sein und auch noch schön aussehen.
    Die Einrichtung und Gestaltung eines Online-Shops ist eine mittlere Herkulesaufgabe, machbar, aber nicht zu unterschätzen.
  2. Aufgabe Bekanntheit / Sichtbarkeit / Marketing / SEO

    Es war einmal ein Internet in dem jeder, der ein E-Business gestartet hat, eine gute Chance hatte damit auch schnell bekannt zu werden und dementsprechend Umsätze zu machen.
    Das war allerdings 1998.
    Ist der Shop also fertig - technisch funktional, die Artikel sind eingestellt - steht der Betreiber vor der Aufgabe sein Angebot an die Zielgruppe zu bringen.
    Hierzu gibt es verschiedene Methoden - manche kosten Geld - manche viel Zeit - manche beides. Der Aufwand der hier zu betreiben ist sollte aber unbedingt in eine Vorabkalkulation mit einfließen, ohne Schönfärberei in Zahlen ausgedrückt.
    Einen guten Einblick in die zu erwartenden Aufwände bieten z. B. die Tools von Google Adwords - hier kann man Klickpreise für bestimmte Suchbegriffe schätzen.
  3. Aufgabe Kundenbindung / Markenbildung / Nachhaltigkeit

    Wenn Sie ein Ladenlokal betreiben, befindet sich ihre Zielgruppe meist in Ihrer Nähe. Wenn Sie gute Beratung, gute Ware und gute Preise bieten werden Sie zumindest einen Teil ihrer Kundschaft dauerhaft an sich binden können.
    Dies ist im Bereich Onlinehandel aber ganz anders. Nur weil ein Kunde einmal bei Ihnen gekauft hat und zufrieden war, heißt das nicht dass er es wieder tun wird, selbst wenn er den selben Artikel noch einmal kaufen möchte.
    Der Zugang zu Alternativen - die möglicherweise auch noch günstiger sind ist einfach zu leicht.
    Die Kommunikation mit ihren Kunden und die Bindung an ihr Geschäft / Marke ist eine sehr aufwendige Daueraufgabe.
    Alternativ müssen Sie jeden Kunden immer wieder neu gewinnen.

  4. Aufgabe Preiskampf - Internet ist Billigland

    Vielleicht würden Sie es in der Anfangsphase auch versuchen - Kundengewinnung durch Dumpingpreise.
    In jedem Fall ist das ein Problem mit dem Sie beim Onlinehandel über kurz oder lang konfrontiert werden!
    Irgend ein Konkurrent oder StartUp bietet das selbe oder ein gleichwertiges Produkt wie Sie zu einem erheblich unter der Profitabilitätsgrenze liegenden Preis an. Sicher kann das niemand auf Dauer und möglicherweise verschwindet der Anbieter recht schnell wieder von der Bildfläche. Trotzdem haben Sie mit einem Umsatzrückgang zu rechnen.

  5. Aufgabe Rechtssicherheit - Deutsches und Europäisches Recht

    Sicher ist der Ausspruch "Wer einen Online-Shop betreibt steht mit einem Bein im Gefängnis" übertrieben. Ein wenig Wahrheit liegt aber auch darin...
    Die Vorschriften und Rechtlichen Regelungen im Onlinehandel sind - je nach Produktbereich - ausgesprochen umfangreich. 
    Verbraucherschutz, Umweltschutz, Produktrecht, Datenschutz, Streitschlichtung... Der Vielfalt sind fast keine Grenzen gesetzt. Zu dem kommen in schöner Regelmäßigkeit auch geradezu Absurde Urteile und Vorschriften die Änderungen und Anpassungen erfordern. In der Regel kommt man ohne juristische Unterstützung nicht aus und steht zudem in der Verantwortung immer über alle relevanten Veränderungen oder neue Urteile auf dem Laufenden zu sein. Konkurrenten und Abmahnanwälte warten nur auf ihre Fehler.

  6. Aufgabe Logistik / Verpackung / Versand / Retouren

    Je nach Produkt kann sich hinter dieser Aufgabe ein erheblicher Aufwand verstecken der für Sie zu bewältigen wäre.
    Wie versenden Sie, wie kalkulieren Sie - oder Ihre Shopsoftware die Versandkosten. Wie hoch ist der Anteil an Retouren?
    Vor allem in Bereichen wie Kleidung kann der Anteil sehr hoch sein und der Zustand der zurückgesendeten Ware ist oft beklagenswert.
  7. Aufgabe - Kommunikation & Beratung

    Wenn Sie ein Produkt verkaufen dass keinerlei Erklärungsbedarf hat können Sie diesen Punkt überspringen. Aber für welches Produkt trifft das schon zu? Kundenfragen beantworten, Bewertungsportale im Auge behalten, ggf. auf kritische Bewertungen reagieren. 
    Facebookseiten und Beiträge erstellen und betreuen. Das alles Kostet Zeit, respektive Geld.
  8. Aktualisierung, Wartung und Pflege der Systeme

    Ganz gleichgültig mit welchem System Sie arbeiten, es muss gewartet werden. Manchmal sind das nur ein paar Klicks und auch für Laien leicht erlernbar, manchmal ist es aber auch aufwendig - z.B. bei größeren Versionssprüngen oder Kompatibilitätsproblemen.
    Je komplexer das System - und ein Online-Shop ist immer komplexer als eine einfache Webseite - desto aufwendiger die Wartung und desto schwieriger ist häufig die Problembehebung.

  9. Systemsicherheit - Das Internet ist kein freundlicher Ort

    Vor allem der Bereich E-Commerce - aber auch in viel weniger "attraktiven" Bereichen werden Systeme angegriffen. Die Ziele sind unterschiedlich und können von einfachen Auslastungsatacken (DoS) bis hin zum Datendiebstahl gehen. Die kriminelle Energie ist hier oft hoch.
    Ihr System hält in der Regel für Hacker und sonstige Kriminelle interessante Daten bereit. 
    Vor allem Kundendaten - Zahlungsinformationen und ähnliches können betrügerisch eingesetzt und zu Geld gemacht werden. 
    Die Sicherung der Daten vor fremdem Zugriff liegt bei Ihnen als Betreiber der Seite.

  10. Alternativen sind oft günstiger - bessere Konzentration auf Kernaufgaben

    Es gibt für viele verschiedene Produkte passende E-Commerce Plattformen die Ihnen einen großen Teil der beschriebenen Aufgaben erleichtern oder ganz abnehmen. Natürlich bezahlen Sie dafür Gebühren - oft sind die aber günstiger als die Kosten eines eigenen Shops.
    Zudem haben diese Plattformen eignen Traffic - eigene SEO-Abteilungen und machen Werbung.
    Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der zumindest in Betracht gezogen werden sollte.

FAZIT - Der Traum vom eigenen Online-Shop: Eine machbare aber komplexe (Dauer-) Aufgabe

Ein eigener Shop ist eine Herausforderung. Sie möchte gut durchdacht und vorbereitet sein, sonst verbrennt sehr schnell sehr viel Geld, und Lebenszeit.

In den seltensten Fällen ist er eine automatische Gelddruckmaschine, fast immer arbeitsintensiv.

Wenn Sie bis hier gelesen haben und noch immer mit ihrem eigenen Shop anfangen möchten, sprechen Sie uns gerne an! Wir beraten Sie gerne im Detail zu Themen wie Online-Marketing, Systemauswahl, Programmierung & Gestaltung und informieren Sie - soweit wir das können - vorab über Marktchancen, Risiken und Aufwände.

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